Johann Bühler
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Geschichte

Liechtensteiner Vaterland / Dienstag, 23. April 2024

Gebrüder Bühler stellen Bautätigkeit ein.

Nach 92 Jahren schliessen die Gebrüder Bühler aus Mauren im Dezember ihr Baugeschäft und widmen sich einem neuen Geschäftszweig.

«Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, dafür gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann». Dieses Motto ist bei der Gebrüder Bühler Bauunternehmung AG in Mauren schon seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Firmenkultur. Die Gebrüder Bühler Bauunternehmung AG ist eine Firma mit Tradition. Doch nun wird das Unternehmen sein klassisches Tätigkeitsfeld aufgeben. Über viele Jahrzehnte hinweg war das Bauunternehmen aus Mauren ein wichtiger Player in der Baubranche Liechtensteins. Ausgeführt wurden unzählige Bauarbeiten diverser Art – von Hochbau und Tiefbau über grössere und kleinere Strassenarbeiten, wie auch Kanalisations- und Werkleitungen, Sanierungen und Renovierungen bis hin zur fixfertigen Umgebungsgestaltung. «Das Imposante am Bau ist, man sieht das Geleistete», sagt Johann Bühler.
Die Firma hat eine langjährige Geschichte, denn bereits 1932 wurde das Unternehmen von Alfred Bühler gegründet. 1949 übernahm sein Sohn Ernst Bühler die Geschicke des Unternehmens. Nachdem 1975 die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft vollzogen wurde, erhielt das Unternehmen den Namen «Ernst Bühler Bauunternehmung AG». 1988 übernahmen folglich seine drei Söhne Johann, Eugen und Egon das Baugeschäft und tauften es auf den jetzigen Namen. In den folgenden Jahren erlebte dieser Traditionsbetrieb eine Blütezeit. Waren bei der Übernahme der drei Brüder rund 25 Personen beschäftigt, so sind es bei der Beendigung der Geschäftstätigkeit rund 35 Mitarbeitende. Auf die fachliche Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde stets besonderen Wert gelegt, wie auch bei jährlichen Weiterbildungsprogrammen.

Fokus auf Bewirtschaftung der Immobilien

Die Verantwortlichen der Gebrüder Bühler Bauunternehmung AG haben beschlossen, den operativen und aktiven Teil des Bauunternehmens per 31. Dezember 2024 zu beenden: Sie wenden sich nun der Bewirtschaftung der eigenen Liegenschaften und Immobilien zu. Durch eine seit Jahrzehnten bestehenden Kooperation mit dem Bauunternehmen Gebrüder Frick AG in Schaan muss das Traditionsunternehmen aus Mauren keine Kündigungen aussprechen und alle Angestellten haben eine neue Arbeitstelle bei der Gebrüder Frick AG erhalten. Bereits Grossvater Alfred und Vater Ernst haben stets Baugrund gekauft und diesen zum Teil auch überbaut und vermietet. Sie haben früh erkannt, dass ein Mehrfamilienhaus im Wert steigt, eine Baumaschine jedoch nicht. Somit ist für die Brüder Johann und Egon Bühler das Beenden des Bauens auch mit weniger Emotionen verbunden.

Die Gebr. Bühler AG richtet sich neu aus

Die Gebrüder Bühler Bauunternehmung AG in Mauren beendet im Dezember den operativen Teil des Bauunternehmens

und widmet sich nunmehr der Verwaltung ihrer Liegenschaften und Immobilien.

Nach insgesamt 92 Jahren gibt die Gebrüder Bühler Bauunternehmung AG in Mauren ihr klassisches Tätigkeitsfeld auf. Im Interview blickt Johann Bühler zurück auf die vergangenen erfolgreichen Jahre und erklärt, in welchem Geschäftsfeld sie weiterhin agieren werden.

Herr Bühler, wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken, was kommt Ihnen da ganz spontan in den Sinn?
Johann Bühler: Ich bin dankbar, dass wir unseren Familienbetrieb während drei ganzen Generationen über 92 Jahren aufrechterhalten konnten und wir erfolgreich mit unserem Geschäftsmodell waren. Es wird keine vierte Generation der Gebrüder Bühler Bauunternehmung AG geben und das muss man akzeptieren, und dann muss man als Unternehmer handeln.

Was können wir uns darunter genau vorstellen?
Wir beenden den operativen und aktiven Teil des Bauunternehmens und werden uns der Betreuung der eigenen Liegenschaften zuwenden. Wir haben in den 92 Jahren immer mit Unternehmen zusammengearbeitet ob Transporte, Bagger- oder später Betonbearbeitung. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön allen Partnern. Schon Grossvater Alfred und Papa Ernst haben stets Baugrund gekauft und diesen zum Teil auch überbaut und vermietet. Nach dem Motto: Ein Mehrfamilienhaus steigt im Wert – Maschinen jedoch nicht. Dieses bewährte Erfolgsmodell haben wir weiterverfolgt. So ist auch für uns das Beenden der Bautätigkeit mit weniger Emotionen verbunden.

Mit der Geschäftsbeendigung müssen Sie Ihr Personal entlassen. Gibt es eine Lösung für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Uns war von Anfang klar und wichtig, dass wir keine Kündigungen im herkömmlichen Sinne aussprechen, denn alle unsere Angestellten haben ohne einen Tag Ausfall wieder einen Job. An dieser Stelle möchte ich den Gebrüdern der Frickbau AG in Schaan ein herzliches Dankeschön aussprechen. Dies war mitunter möglich, da wir bereits seit Jahrzehnten eine gute Kooperation und freundschaftliche Verbindung pflegen, was uns sehr geholfen hat. Sie werden nicht nur unsere Mitarbeiter übernehmen, sondern auch mein Mehrfamilienhaus Britschen ab September zu Ende bauen.

Wenn wir das Rad der Zeit zurückdrehen, wie können Sie sich den Erfolg Ihres Unternehmens erklären?
Unser Grossvater Alfred war Kleinunternehmer, hat aber damals schon Vieles unternommen. So stellte er eigene Betonrohre her, fabrizierte Kabelsteine fürs LKW und erstellte Stuckarbeiten. Aber auch unser Vater Ernst musste anfangs – in den Jahren 1949/52 – schmal durch, insbesondere beim Bauauftrag der Fürst-Franz-Josef-Strasse. Dabei durften keine Maschinen eingesetzt werden, alles musste von Hand erledigt werden, was mehr Leute für die Arbeit benötigte. Später baute er mit Rudolf Marxer die ersten Mehrfamilienhäuser und hat sie in der Folge vermietet. Unser Vater wollte eigentlich nicht, dass alle drei Söhne (Johann, Eugen, Egon) auf dem Bau arbeiten. Wir haben es dennoch gemacht und sichtlich Erfolg gehabt mit unseren drei einfachen, aber klaren Erfolgsregeln.

Verraten Sie uns Ihr Erfolgsrezept bzw. Ihre Erfolgsregeln?
Wir haben jeden Tag zusammen bei einem Kaffee geredet und uns ausgetauscht, und so einen drohenden Konflikt sofort gelöst. Zudem hatte keine der Ehefrauen ein Mitspracherecht in der Firma, was somit auch keinen Einfluss auf das Privatleben von uns drei Brüdern hatte. Die dritte Regel war, dass jedem, der etwas privat von der Firma bezieht, dies auch in Rechnung gestellt wird.

Inwiefern hat sich der Arbeits alltag im Bau verändert?
Als ich 1969 die Maurerlehre absolvierte, arbeiteten wir in den Sommermonaten 63 Stunden und in den Wintermonaten 51 Stunden pro Woche. Zudem wurde bis in die 1980er Jahre am Samstag bis Mittag gearbeitet. Auch heute noch bieten wir den Samstagvormittag freiwillig zur Arbeit an, denn einige Mitarbeiter wollen Stunden machen. Heute wird im Gegensatz vielfach über «Work-Life-Balance», die Viertagewoche und die hohe Stundenlast diskutiert.

Für viele ist Arbeit vielleicht mehr ein Übel als sonst etwas.
Eine Vorarlberger Firma hat den treffenden Slogan: «Gern gemacht – gut gemacht». Ich bin überzeugt: Nur wer seinen Beruf gern hat und seine Arbeit positiv sieht, wird Erfolg haben. Denn bei all diesem Stundengerede der Viertagewoche wird eines vergessen: Vier Tage Arbeit, drei Tage frei. Und Freizeit kostet bekanntlich Geld. Vor jedem, der diesen Spagat schafft und zufrieden ist, ziehe ich meinen Hut. Es kann sein, dass meine Haltung zur Arbeit veraltet ist, aber ist denn arbeiten, sparen und dann kaufen und bezahlen so falsch? Als Unternehmer mit Ohren für seine Mitarbeiter erlebe ich seit Jahrzehnten wie die moderne Lebensgestaltung mit Verlockungen wie Leasing, Ratenzahlung, bargeldlos bezahlen und der «Work-Life-Balance» den Leuten langsam der Realitätssinn genommen wird.

Gibt es andere Besonderheiten, die Ihre erfolgreiche Zusammenarbeit auszeichnen?
In den 92 Jahren mussten wir nicht einmal vor Gericht. Unser Grundsatz lautete: Vor Gericht wird keine schräge Mauer gerade. Somit haben wir allfällige Fehler gleich mit der Kundschaft gelöst. Wichtig ist auch, dass man immer seinen Humor behält und alles relativ betrachtet.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Was das Baugewerbe anbelangt, so wünsche ich mir, dass die Eigenheim-Förderungen verbessert und erhöht werden, und zwar drastisch. Der Leitspruch von Fürst Franz Josef II. in den 1970er Jahren hat auch heute noch viel Wahres: «Jedem Liechtensteiner seine eigene Haustüre hat sehr viel Gutes gebracht».

Unternehmen mit bewegter Geschichte

1932 legte Alfred Bühler den Grundstein und gründete die erfolgreiche Bauunternehmung in Mauren.

Die Gebrüder Bühler Bauunternehmung AG ist eine traditionsreiche Firma durch und durch. Bereits der Grossvater Alfred Bühler hat sehr vieles unternommen, obwohl er noch als typischer Kleinunternehmer agierte. Trotzdem erzeugte er eigene Betonrohre, stellte Kabelsteine für das LKW her und erstellte Stuckarbeiten.
1949 übernahm sein Sohn, Ernst Bühler den elterlichen Betrieb. In den Jahren 1949 bis 1952 musste Ernst Bühler auch schmal durch. Beim Auftrag, die Fürst-Franz-Josef-Strasse in Mauren zu errichten, durften beispielsweise keine Maschinen eingesetzt werden (siehe Foto). Das bedeutete, dass sämtliche Arbeiten bei diesem Projekt von Hand ausgeführt werden mussten. Dies hatte schliesslich zur Folge, dass viel mehr Arbeiter für dieses Strassenprojekt aufgeboten werden mussten. Später arbeitete Ernst Bühler mit Rudolf Marxer zusammen und legte den Grundstein für einen neuen Geschäftszweig: Das erste Mehrfamilienhaus wurde errichtet und vermietet.

Die Söhne Johann, Eugen und Egon übernehmen

Nachdem das Unternehmen im Jahr 1975 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, erhielt das Geschäft den Namen «Ernst Bühler Bauunternehmung AG». Im Jahr 1988 übernehmen die drei Söhne Johann, Eugen und Egon das Baugeschäft und benennen das Unternehmen in Gebrüder Bühler Bauunternehmung AG um. In den Jahren darauf erlebt das traditionsreiche Baugeschäft aus Mauren eine Blütezeit. In den vergangenen 35 Jahren konnte das Personal von 25 auf 35 Mitarbeiter aufgestockt werden Das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens liegt auf der Hand: Es sind und waren immer die Wünsche der Kunden und ihren Bedürfnisse, die für die Gebrüder Bühler Bauunternehmung AG im Mittelpunkt gestanden haben. Keine Schlagworte, sondern eine Philosophie, die das Unternehmen seit der Gründung im Jahre 1932 akribisch verfolgt hat. Dazu gehört auch, sekundäre Bereiche Dritten zu übergeben: So hat die Gebr. Bühler Bauunternehmung AG seit drei Generationen mit professionellen Partnern zusammengearbeitet. Dies hat nicht nur die Flexibilität der Unternehmung erhöht, sondern auch jederzeit ein zielgerichtetes, kundenorientiertes Handeln garantiert.

Jetzt ist es an der Zeit, etwas Neues anzugehen

Die Zeiten ändern sich und im August 2021 mussten sich Johann und Egon von ihrem Bruder Eugen, «dr Mettlere», ganz unerwartet verabschieden. Für die beiden Unternehmer ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, das Baugeschäft aufzugeben und sich der Bewirtschaftung ihrer Liegenschaften und Immobilien zu widmen. Mit Mut und viel Fleiss wollen sie nun «das Neue» angehen. Und sie sind sich dabei einig: Man muss immer das Positive sehen. «Jedem in Liechtenstein sollte bewusst sein, dass unser Wohlstand auch eine Aufgabe zur Festigung und Weitergabe an unsere nächste Generation beinhaltet».